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18.09.2006 12:16 Uhr

OECD Bildungsbericht 2006: Deutschland weiter hinten

 

Deutschland und Österreich bereiten junge Menschen vergleichsweise schlecht auf die steigenden Anforderungen der Arbeitswelt vor. Das ist eines der wesentlichen Ergebnis der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick – 2006“, die gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Während in Deutschland und Österreich in den vergangen Jahren der Anteil der Hoch- und Fachhochschulabsolventen an einem Jahrgang weitgehend stagniert, stieg die Abschlussquote in den meisten OECD-Staaten deutlich. Auch beim Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt liegen Deutschland und Österreich mittlerweile deutlich unter dem OECD-Mittel.

In ihrer diesjährigen vergleichenden Studie zu den Bildungssystemen kritisiert die OECD  neben den zu geringen Mitteln, die in Deutschland für Bildung aufgewendet werden auch eine falsche Verteilung. So finanziere der deutsche Staat den Hochschulbereich stärker als die Kindergärten. Das sei bildungsökonomisch nicht erklärbar, da die gesellschaftlichen Erträge im Vorschulbereich besonders hoch seien.

Die jährlich erscheinende Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) analysiert die Entwicklung der Bildungssysteme in den 30 größten Industrienationen. In diesem Jahr focusiert der Bericht die Hochschulen.

In diesem Bereich lassen sich in Deutschland zwar Zuwächse verzeichnen (Der Anteil der Absolventen zwischen 2000 und 2004 stieg von 19,3 auf 20,6 %), jedoch machten die meisten OECD-Länder wesentlich größere Fortschritte (Durchschnitt 36,8 %). Lediglich Tschechien, Österreich und die Türkei bilden weniger Akademiker pro Jahrgang aus als Deutschland.

OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher wies darauf hin, dass in Deutschland im Vergleich zum OECD-Schnitt relativ wenig junge Menschen eine Studienberechtigung für Universität oder Fachhochschule anstreben. In Deutschland erwerben 38,8 Prozent eines Jahrganges die Hochschulreife - im OECD-Schnitt sind dies inzwischen 67,7 Prozent.

"Wenn man berücksichtigt, dass künftig geburtenschwache Jahrgänge die Schule verlassen, wird Deutschland den steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften so nicht befriedigen können", warnte Schleicher.

Andreas Schleicher ist Leiter der Abteilung Indikatoren und Analysen im OECD Direktorat für Bildung. In dieser Eigenschaft ist er für die Entwicklung und Analyse von Erfolgs-Benchmarks für Bildungssysteme verantwortlich. Hierzu zählt auch die Entwicklung, internationale Koordination und das Management des OECD Programmes for International Student Assessment (PISA), ein Evaluierungssystem, mit dem die 30 OECD-Länder Wissen und Qualifikationen der Schülerinnen und Schüler in Schlüsselgebieten in Drei-Jahresabständen bewerten und vergleichen. Andreas Schleicher wird auch im Rahmen der Aktionen zur Alphabetisierung der Frankfurter Buchmesse LitCam (www.litcam.de) in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse einen Vortrag zu Alphabetisierung und Grundbildung halten.

Weiterführende Links
Der OECD Bericht "Bildung auf einen Blick" in einer deutschsprachigen Zusammenfassung (PDF)

Pressemitteilung der OECD (PDF)

Das Direktorat für Bildung der OECD

 

(Quelle: Portal Zweite Chance Online)