Nachbericht: Stolperfalle Buchstaben?! - Weltalphabetisierungstag in Münster: Münster, 08.09.2008
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Alljährlich findet am 8. September der UNESCO-Weltalphabetisierungstag statt, der darauf aufmerksam macht, dass weltweit ca. 780 Millionen Menschen nicht lesen und schreiben können. Auch in Deutschland gibt es nach Schätzungen des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V. zufolge ca. vier Millionen erwachsene funktionale Analphabeten. Trotz absolvierter Schulpflicht sind sie nicht in der Lage, eine Zeitung zu lesen, ein Formular auszufüllen oder einen Brief zu schreiben. Allein in Münster ist von (schätzungsweise) 13.000 Menschen auszugehen, die nicht richtig und schreiben können.
Am 08.09.2008, führte der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V., die Volkshochschule Münster und die Stadtbücherei Münster die Veranstaltung „Stolperfalle Buchstaben?!“ durch. Farid Fazel und Tim Tjettmers vom Bundesverbandprojekt „Chancen erarbeiten“ sowie Volker Hiersemann und Julia Kruse von der Volkshochschule Münster informierten an einem Info-Stand im Foyer der Stadtbücherei die Öffentlichkeit über das Thema Alphabetisierung und Hilfsangebote für Betroffene in Münster.
In Münster können sich Personen, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben, an die Volkshochschule Münster wenden. Sie bietet seit über 25 Jahren Lese- und Schreibkurse für Erwachsene an. Vor dem Kursbesuch gibt es ein vertrauliches Beratungsgespräch. Hier können die Betroffenen offen über ihre persönlichen Hintergründe und Schwierigkeiten sprechen und gemeinsam mit den Beratern den passenden Kurs auswählen. In den Kursen der VHS wird gezielt auf die individuellen Probleme und Lernwünsche der Teilnehmer/-innen eingegangen. In kleinen Gruppen unterrichten langjährig erfahrene Kursleiter/-innen. „Der Weltalphabetisierungstag ist eine hervorragende Chance, Licht auf ein Thema zu werfen, welches ansonsten nicht im Mittelpunkt der Öffentlichkeit steht. Wir wollen, dass aus einer Lese- und Rechtschreibschwäche eine Schwäche für Lesen und Schreiben wird“, erklärt Tjettmers. Erfreut zeigte er sich darüber, dass die Besucher der Stadtbücherei sehr aufgeschlossen für das Thema waren. In den Gesprächen zeigte sich zudem, dass sehr viele Besucher bereits durch die Presse und den Hörfunk über die Informations-Aktion informiert waren.
Damit auch Erwachsene, die mit dem Lesen und Schreiben Probleme haben, in der Stadtbücherei fündig werden, übergaben Farid Fazel und Tim Tjettmers dem stellvertretenden Leiter Gunter Riemers 15 verschiedene leicht lesbare Bücher, mit klarem Schriftbild und großem Zeichenabstand. Farid Fazel erklärt bei der Übergabe des Buchgeschenks: „Wir hoffen, dass dieser Anlass die Betroffenen zusätzlich motiviert, sich die einfach verständlichen Lesehefte auszuleihen. Es wäre schön, wenn jemand dadurch den Einstieg in die Welt des Lesens findet und sich später vielleicht auch schwierigere Bücher ausleiht.“
Nach der Bücherübergabe fand ein Pressegespräch im „Café Colibri“ im Foyer der Stadtbücherei Münster statt. Tim Tjettmers stellte hierbei das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbundprojekt "Chancen erarbeiten" vor, welches zum Ziel hat, Jugendliche berufsbezogen zu fördern. Jährlich verlassen in Deutschland etwa 75.000 Jugendliche die Schule ohne einen Abschluss und verfügen über unzureichende Grundbildung. Der Schwerpunkt des Projektes „Chancen erarbeiten“ liegt dabei in der Ansprache lese- und rechtschreibschwacher Jugendlicher, die sich in der Schnittstelle zwischen Schule und Beruf befinden. Das sind ca. acht Prozent eines Schuljahrgangs. Geringe Grundbildung verschlechtert die Chancen auf einen Ausbildungsplatz, den Übergang in die Berufstätigkeit und damit die Aussicht auf eine aktive Teilnahme in der Gesellschaft. Chancen erarbeiten versucht, die Jugendlichen gezielt anzusprechen und zu motivieren und setzt hierbei insbesondere auf die Vorbildfunktion von deutschen Musikkünstlern wie BEATSTEAKS, CULCHA CANDELA, SAMY DELUXE, BEATHOAVENZ und den DONOTS. Durch ihr Engagement in Statements und Trailern, die mit Unterstützung von Google-Deutschland auf einem eigenen YouTube-Partnerchannel veröffentlicht werden, geben sie den Betroffenen Mut, etwas an ihrer Situation zu ändern. Bei den Musikerstatements wird auch auf das Alfa-Telefon hingewiesen, dass unter der Nummer 0251 – 53 33 44 Beratung und Informationen über ortsnahe Weiterbildungseinrichtungen für Menschen mit Lese- und Schreibproblemen anbietet.