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6.03.2009 14:30 Uhr

Leipzig feiert die Buchstaben – vier Millionen Menschen haben mit ihnen zu kämpfen

 

Ein Leben ohne lesen zu können – 210.000 Erwachsene in Sachsen und 24.000 Menschen in Leipzig können Briefen, Formularen und Plakaten keinen Sinn entnehmen. Zeitunglesen im Wartezimmer beim Arzt? Telefonnotiz machen? Undenkbar!

Um über Möglichkeiten und Angebote zur Förderung zu informieren, bietet das Projekt „Chancen erarbeiten“ auf der Leipziger Buchmesse viele Veranstaltungen an. Wendige Wortakrobaten wirbeln bei Poetry-Slams, Betroffene berichten über ihre Rezepte im Umgang mit dem Buchstabensalat und Schlag für Schlag können Messebesucher mit dem ABC-golf `n´ goal am Lernhandicap arbeiten und ihre eigenen Lese- und Schreibfähigkeiten auf die Probe stellen.

Wie lebt es sich in einer Welt, in der Buchstaben zu Hürden werden? Und welche Möglichkeiten gibt es, diese Hürden zu überwinden? Um Antworten auf diese Fragen zu geben, beteiligen sich das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „Chancen erarbeiten“ und der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V. in diesem Jahr wieder auf der Leipziger Buchmesse mit vielen Aktionen und Veranstaltungen. Vom 12. bis zum 15. März 2009 soll das Thema „unzureichende Lese- und Schreibfähigkeiten“ in die öffentliche Diskussion gebracht werden. „Wir zeigen Wege, Mittel und Möglichkeiten auf, wie man mit dem individuellen und gesellschaftlichen Problem in einem entwickelten Industrieland wie Deutschland konstruktiv umgehen kann und wollen die Fragen der Messebesucher beantworten. Dabei sind wir zuverlässiger Ansprechpartner für Angehörige, Betroffene, Lehrer sowie Bil-dungs- und Beratungseinrichtungen“ meint  Andreas Brinkmann; Leiter des Projekts „Chancen erarbeiten“.

Das Projekt bietet auf der Messe zahlreiche Veranstaltungen rund um das Thema Alphabetisierung an. Neben Poetry-Slams,  Autorenlesungen und Erleb-nisberichten von Betroffenen wird ein bunter Strauß an Materialien, Tipps und Beratung gebunden. Dabei soll die  Aufklärung über diese Thematik im Vorder-grund stehen, sich jedoch in Spannung, Spaß und anspruchsvollem Spiel einbetten.

Die Aktionen finden in Halle 2, Stand G401 statt. Das Team des Projekts „Chancen erarbeiten“ informiert dort über Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene und ihre Angehörigen. Zudem werden Video-Spots mit prominenten Musikern, Lehr- und Lernmaterialien präsentiert und verschlüsselte Bilder- und Wörterrätsel nicht nur für Kinder und Jugendliche angeboten.

Stationen des Erfolgs: Vom funktionalen Analphabeten zum Schriftsteller

Jeden Tag wird von 10:00 bis 18:00 Uhr informiert:
Von 11:00 bis 11:45 Uhr berichten ehemalige Betroffene der Ludwigshafener Lerngruppe aus erster Hand über ihre Erfahrungen in einer Welt ohne Buchstaben.  An gleicher Stelle findet täglich von 12:00 bis 13:00 Uhr die Veranstaltung „Texte voller Fehler und trotzdem Buchautor“ mit Deutschlands jüngstem Fantasy-Autor und einem Kinderbuchautoren statt. Dort können die Messebesucher die beiden Schriftsteller, Jerome Arn D´Jeffey und Tim-Thilo Fellmer, direkt befragen und mit ihnen diskutieren.

Von 14:30 bis 15:00 Uhr informiert ein Team von Experten im Rahmen der Veranstaltung „Schreib Dich nicht ab. Jugendliche zwischen Analphabetismus und Ausbildungsreife“ über den Einstieg von Geringqualifizierten in das Berufsleben. Von 15:15 bis 16:00 Uhr wird der Frage nachgegangen, was die Nichtschwimmer im tiefen Wasser suchen bzw. ob denn Analphabetismus und Alphabetisierung sinnvolle Themen für die Leipziger Buchmesse sind.
Um 17:00 Uhr startet das „Wörterwirrwarr“ – Lernende lesen aus Texten ehemaliger Betroffener vor und diskutieren über den oscargekrönten Kinofilm und das Buch von Bernhard Schlink „Der Vorleser“. Es wird der Frage nachgegangen, welche Aktualität die Handlung hat und welchen Blickwinkel Betroffene auf den Film, die Handlung und die Hauptfigur Hanna haben.

Tarzan auf dem Weg durch den Buchstabendschungel und Dichterwettstreit ums ABC

Neben dem täglichen Veranstaltungen des Projekts „Chancen erarbeiten“ gibt´s zusätzlich Sonderveranstaltungen. Als erstes wandern wir zusammen mit den sprachverliebten Künstlern auf den „Wegen der Wörter“. Am Wegesrand sind dabei die beiden Perlen der Poetry-Slam-Kunst, Alex Dreppec und Dalibor Markovic zu finden. Sie sind aus Funk und Fernsehen unter anderem durch die WDR-Sendung „Poetry Slam“ bekannt. Die beiden Sprachakrobaten sorgen am Samstag, den 14.03.2009 ab 13:15 Uhr und ab 16:15 Uhr am Stand G401 in Halle 2 für Kurzweil.
Im Congress-Center geben unter dem Titel „Auch Tarzan hatte ohne Schrift keine Chance“ Jürgen und Annerose Genuneit Auskunft darüber, wie das Thema Analphabetismus in der Literatur verarbeitet wird.

Lesen und Schreiben ungenügend – Warum wir´s trotzdem tun

Das Projekt „Chancen erarbeiten“ bietet zur Buchmesse noch mehr: Zwei Schriftsteller berichten über ihre Lese- und Rechtschreibschwäche und damit verbundene Alltagsprobleme. Bei einer Sonderveranstaltung an Stand A301 in Halle 2 stehen sie am Samstag, den 14.03.2009 um 16:00 Uhr Rede und Antwort. Während dabei die Motivation aus persönlicher Warte erläutert wird, wird am 15.03.2009 um 16:15 Uhr am Stand G401 in der Halle 2 die Lust am Lesen geweckt. Nina Ude und Katja Klose beleuchten Wege zum Lesen und verschiedene Lesewege auf emotionale, neurobiologische und teilweise skurrile Weise.

Weitere Informationen
- zu Zielen, Wegen und Inhalten des Projekts „Chancen erarbeiten“ finden Sie unter www.chancen-erarbeiten.de.

- zum Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. und seinen Projekten sowie zu Ursachen, Hintergründen und Auswirkungen von funktionalem Analphabetismus finden Sie unter www.alphabetisierung.de.
-zur Veranstaltungsübersicht erhalten Sie hier

Ansprechpartner
Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.
Andreas Brinkmann
Projektleiter „Chancen erarbeiten“
Tel.: +49 (0)2 51.49 09 96 – 41
Mobil: +49 (0)1 63.8 88 87 80
brinkmann@chancen-erarbeiten.de