Das Projekt "F.A.N." - was hatte es damit auf sich?
Das Projekt "F.A.N. - Fußball. Alphabetisierung. Netzwerk." wurde vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. in Kooperation mit BR-alpha (Bildungskanal des Bayerischen Rundfunks) und dem Deutschen Volkshochschul-Verband (DVV) durchgeführt. Durch den Medienverbund aus Fernsehserie, Online-Begleitung und Print konnten wir in Verbindung mit dem Thema Fußball breite Bevölkerungsschichten über das Phänomen des funktionalen Analphabetismus´ informieren.
Peter Hubertus (Geschäftsführer Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.), Andreas Brinkmann (Projektmitarbeiter), Ralf Häder (Projektleiter) und Marcel Menzinger (Projektmitarbeiter, v.l.) beim Projektstart im August 2005. Foto: WN
Mehr als vier Millionen Erwachsene verfügen über so geringe Lese- und Schreibkenntnisse, dass sie als funktionale Analphabeten gelten. Manche von ihnen kennen die Buchstaben, können aber nicht lesen. Andere verstehen mit Mühe leichte Texte, haben jedoch massive Probleme beim Schreiben. Gemeinsam ist allen, dass sie die Schrift weder im privaten Bereich noch im Berufsleben in ausreichendem Maß für sich nutzen können.
Trotz Schulpflicht haben diese Menschen aufgrund biografischer, schulischer und sozialer Umstände das Bildungssystem ohne grundlegende Kenntnisse im Lesen, Schreiben oder Rechnen verlassen. Bedenklich ist, dass jährlich fast 80.000 junge Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen und damit zur Risikogruppe gehören. Die PISA-Studie legt zudem offen, dass knapp zehn Prozent nicht einmal die unterste Stufe der Lesekompetenz erreichen.
Menschen mit Lese- und (Recht-)Schreibschwächen verbergen ihre Schwierigkeiten häufig. Sie schämen und verstecken sich und leben in dauerhafter Sorge, dass ihr Problem erkannt wird. Es fällt ihnen schwer, einen Lese- und Schreibkurs zu beginnen und damit das Problem anzugehen. Aus den beschriebenen Gründen nehmen viele nicht oder kaum am gesellschaftlichen Leben teil und sind im Berufsleben oft benachteiligt.
Derzeit nutzen ca. 20.000 Betroffene die Möglichkeit, in Kursen - zumeist an Volkshochschulen - lesen und schreiben zu lernen. Viele Menschen, die nicht ausreichend lesen und schreiben können, wissen bisher aber nicht, dass es Möglichkeiten zur Alphabetisierung gibt.
Das Projekt F.A.N. entstand, weil aus unserer Sicht Fußball einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert hat. Im Kontext von Fußball haben wir in zahlreichen Stadion- und anderen Aktionen öffentlichkeitswirksam auf den beschriebenen Sachverhalt aufmerksam gemacht.
Die Ziele des Projekts waren:
Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Tabuthema Analphabetismus;
Entstigmatisierung der Betroffenen;
Motivierung der Betroffenen zur Nutzung der Lernangebote vor Ort;
Erweiterung des bestehenden Angebots an Lese- und Schreibkursen;
Unterstützung bei der Weiterentwicklung von passgenauen Qualifizierungen;
Dabei waren wir uns des bedeutenden gesellschaftlichen Einflusses der Fanclubs bewusst. Allein in den Fanclubs der Bundesligisten sind rund 320.000 Mitglieder organisiert. Sie waren für uns daher die idealen Gesprächs- und Kooperationspartner.
F.A.N. stellte Kontakte zu Institutionen, Vereinen und Personen aus den Bereichen Fußball und Weiterbildung her, um diese für ein Netzwerk "Fußball und Alphabetisierung" zu gewinnen.
Prominente Fußballer und Offizielle werben als Multiplikatoren für die Alphabetisierungsarbeit;
3 | Bildungsbericht 2006 | pdf, 6.3 MB Hrsg.: Konsortium Bildungsberichterstattung im Auftrag der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Bielefeld 2006.