In der Anmoderation zum Film "Das G muss weg" erläutert Andreas Brinkmann den Besuchern Hintergründe und Ursachen zum Thema "funktionaler Analphabetismus".
Die Band "Click Click Decker" sangen für die Alphabetisierung.
Autor Hilmar Bender erläutert Schönheit und Chancen der Tatsache, lesen und schreiben zu können.
Ehemalige Analphabeten schreiben: Autor Kai Uwe Mix erläutert die Hintergründe zu seinem ausgezeichneten Text "Der Wanderer über dem Nebelmeer".
Ralf Häder (F.A.N.) diskutiert mit sächsischen Experten, ob 80.000 Schulabbrecher jährlich in Deutschland zu dumm sind oder nicht ausreichend gefördert werden.
Gemeinsam für die Alphabetisierung am Ball: Hilmar Bender (3.v.r.), Kursteilnehmer sowie Mitarbeiter des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V. zeigten Wege aus dem Abseits auf.
HSV-Torwart Frank Rost und Schauspieler Peter Lohmeyer sind am 28. Februar 2007 in Köln zu "Bildungsbotschaftern der didacta 2007" ernannt worden. Während Peter Lohmeyer bei seiner Auszeichnung persönlich anwesend war, musste Frank Rost überraschend aus beruflichen Gründen passen. Stellvertretend für ihn nahm der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. in Person von Peter Hubertus die Urkunde entgegen.
Ehrung der Bildungsbotschafter und Scheckübergabe (v.l.): Wilmar Diepgrond (Vorsitzender VdS Bildungsmedien), Peter Hubertus, Peter Lohmeyer (Schauspieler), Prof. Wassilios Fthenakis (Präsident didacta Verband), Markus Sturzenhecker (Förderverein Max-Brauer-Gesamtschule Hamburg).| Foto: didacta
(Anlässlich seiner Auszeichung zum "Bildungsbotschafters der didacta 2007" am 28. Februar 2007)
Sehr geehrte Damen und Herren,
leider muss ich den heutigen Tag auf dem Trainingsplatz in Hamburg verbringen, statt hier zusammen mit Ihnen die Arbeit des von mir unterstützen Projekts "F.A.N. - Fußball. Alphabetisierung. Netzwerk." gebührend zu würdigen.
Ich freue mich sehr, dass sich die Jury bei dem erstmals ausgeschriebenen Preis des "Bildungsbotschafters der didacta 2007" auch für meine Person entschieden hat - wobei ich natürlich nur das Gesicht in der Öffentlichkeit bin, die so wichtige tagtägliche Bildungs- und Informationsarbeit vor Ort machen andere.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz besonders bei Andreas Brinkmann und Ralf Häder für ihre tolle und innovative Arbeit bei F.A.N. bedanken. Und auch bei allen Unterstützern des Netzwerks in der ganzen Bundesrepublik, sowie auch bei dem Verein für Alphabetisierung und Grundbildung e.V. aus Münster, durch dessen Initiative solch wichtige Bildungsinitiativen erst ermöglicht werden. Stellvertretend möchte ich meinen Dank auch an Herrn Hubertus von der Initiative richten.
Analphabetismus ist in Deutschland immer noch ein Tabuthema, auch wenn weit über vier Millionen Menschen davon direkt und viele weitere Millionen indirekt davon betroffen sind. Analphabetismus grenzt aus und stellt ins gesellschaftliche Abseits. Analphabetismus zieht sich durch alle Gesellschaftsgruppen und alle Altersklassen. Analphabetismus verwehrt den Zugang zu Bildung, zur persönlichen Weiterentwicklung und zur aktiven Mitgestaltung gesellschaftlichen Lebens.
Aber – und da liegt auch meine Hoffnung – Analphabetismus ist keine unheilbare Krankheit, er ist überwindbar.
Ich habe im Laufe der Jahre einige Menschen kennen gelernt, die den zugegebenermaßen sehr schweren Weg aus der Isolation angetreten sind und es geschafft haben. Diesen Menschen gilt in erster Linie mein Respekt. Nicht nur das Erlernen des Lesens und Schreibens stellt in diesem langwierigen Prozess eine Herausforderung dar. Vielmehr ist der erste Schritt - das Bekenntnis zu den eigenen Schwächen, die Erkenntnis fremde Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen und damit die Überwindung der eigenen Scham - der wirklich schwierige auf diesem zum Teil jahrelangen Weg.
Und bei diesem ersten Schritt leistet F.A.N. wirklich großartige Arbeit. F.A.N. geht zu den Menschen und begegnet ihnen in der vertrauten Umgebung des Alltags. F.A.N. zeigt nicht den erhobenen Zeigefinger, sondern bietet Informationen und Aufklärung. F.A.N. nutzt die Strukturen der Fangemeinden und Fußballfreunde, um Barrieren zu überwinden.
Ich bin oft gefragt worden, ob ich mich für das Projekt einsetze, weil das Problem des Analphabetismus im Fußball besonders verbreitet ist. Ich frage mich dann immer, wann der Fragesteller das letzte Mal in einem Fußballstadion war. Aber das ist ja auch so beliebtes Vorurteil, welches eifrig gepflegt wird: "Fußballer sind per se dumm und Fußballfans sind bildungsfrei!" Aber weit gefehlt: In den Stadien – auf den Rängen wie auf dem Platz selbst – entdeckt man nicht mehr und nicht weniger als den bundesrepublikanischen Bildungsdurchschnitt. Hier spielt oder steht der Akademiker neben dem Hauptschulabsolventen und der Vorstandsvorsitzende neben dem Hartz-IV-Empfänger.
Nur sind beim Fußball alle Menschen ein wenig "gleicher", und deshalb ist dieser "Lebensraum" auch ideal, um die Menschen für das Thema Alphabetisierung zu sensibilisieren. Im Fußball gibt es noch die alten Werte wie Solidarität, Respekt, Freundschaft und Zusammenhalt. Dieses Gemeinschaftsgefühl erleichtert es direkt oder indirekt, Betroffene anzusprechen und Möglichkeiten zum Schritt aus der Isolation heraus aufzuzeigen.
Leider gilt dies nur noch begrenzt für den Profibereich, aber die Fans sind in dieser Hinsicht zum Glück noch völlig unverdorben. Für sie zählen die Tradition und das absolute Engagement für ihren Sport und Ihren Verein. Und das ist auch so bei den Menschen, die hinter F.A.N. stehen. Ihnen gilt auch heute mein ganz persönlicher Respekt und Dank.
Sehr gerne nehme ich die heutige Ehrung in Empfang.
Es liegt noch viel Arbeit vor uns allen – denn Bildung ist das wichtigste Gut, welches wir in unserer Zeit erwerben können. Und es ist unsere Pflicht, dieses allen Menschen zugänglich zu machen.
Auch in diesem Jahr war F.A.N. auf der Frankfurter Buchmesse vertreten. Zwischen dem 6. und 8. Oktober gab es im und am ALFA-MOBIL einige Veranstaltungen und viele Gespräche zum Thema Analphabetismus. Am Stand des ALFA-MOBILs vor Messehalle 3.0 begrüßten unsere Alphabetisierungsbotschafter 2005, Horst Uhrig, Thorsten Böhler und Karl Lehrer, u. a. Bundespräsident Horst Köhler und Prof. Dr. Rita Süssmuth, die langjährige Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes:
Ein kurzes Gespräch mit Bundespräsident Horst Köhler konnten - trotz tendenziell unentspannter Blicke des Sicherheitspersonals - neben Elfriede Haller (Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung) ...
... auch die Alphabetisierungsbotschafter des Jahres 2005 Horst Uhrig (verdeckt), Karl Lehrer und Thorsten Böhler (rechts) führen.
Gut gelaunt gerahmt: DVV-Präsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth zwischen Thorsten Böhler, Karl Lehrer und Horst Uhrig (v.l.n.r.).
Gänzlich ohne Sicherheitspersonal - abgesehen vom stets aufmerksamen Andreas Brinkmann (F.A.N.) - berichtete Herbert Ochs (Mitte) am Stand des ALFA-MOBILs von seinen Erfahrungen aus seiner Zeit als Analphabet und beantwortete Fragen zum Thema.
Wertvolle Sachpreise von Eintracht Frankfurt gab es beim Torwandschießen mit dem Frankfurter Urgestein Bernd Hölzenbein (li.) zu gewinnen - für manchen Sieger wurde da alles andere schnell unwichtig.
Selbstverständlich versuchte sich der Weltmeister von 1974 ...
... auch persönlich an der F.A.N.-Torwand.
Anzeige im Programmheft der Frankfurter Buchmesse 2006.
F.A.N. und ALFA-MOBIL präsentierten sich drei Tage lang auf der Fußballmesse "Fair Play":
Vor allem jugendliche Besucher und Fußballfans zählten zum interessierten Publikum.
Auch Fußball-Trainer Ralf Rangnick zeigte sich beeindruckt vom Engagement des Bundesverbandes und dessen Alphabetisierungsbotschaftern 2005 (v.l.n.r.): Karl Lehrer, Thorsten Böhler, Ralf Rangnick, Horst Uhrig sowie Ralf Häder (F.A.N.). Für Rangnick ist das Projekt übrigens nichts Neues, denn bereits während seiner Zeit als Trainer beim FC Schalke 04 hat er F.A.N. unterstützt.
Im "Forum Fußball" in Halle 1.2 stellten Jürgen Genuneit (Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.) und Ralf Häder (Projektleiter F.A.N.) das Projekt "Fußball. Alphabetisierung. Netzwerk." sowie die Fernsehserie "Das Kreuz mit der Schrift" vor. Moderator Andreas Rose führte durch die Veranstaltung, in der die interessierten Messebesucherinnen und -besucher auch über Ursachen und Ausmaß des funktionalen Analphabetismus sowie das ALFA-Telefon Münster und das Lernportal www.ich-will-schreiben-lernen.de informiert wurden.
Beim anschließenden "Kicken für die Alphabetisierung" versuchten Messebesucher ihr Glück als Torschützen. Die Mitarbeiter des Projekts F.A.N. sind zwar begnadete Torhüter, wurden das eine oder andere Mal jedoch bezwungen. Mit jedem Tor wurden Bücher aus der Reihe "Das Kreuz mit der Schrift" gewonnen, die nun an Volkshochschulen übergeben werden.
Die erfolgreichsten Schützen gewannen zudem Eintrittskarten für das UEFA-Cup-Hinspiel FC Schalke 04 - FC Sevilla am 13. April 2006. Diese wurden vom Schalker Torhüter Frank Rost, der das Projekt F.A.N. tatkräftig unterstützt, zur Verfügung gestellt.
Prominente Unterstützung beim Tipp-Kick
Eine weitere Veranstaltung fand mit der Tipp-Kick-Aktion statt, die vom Ernst Klett Verlag und dem Bundesverband Alphabetisierung durchgeführt wurde. Auch diese war ein voller Erfolg. Mehrere hundert Teilnehmer und zahlreiche Prominente, unter ihnen Steffi Jones, Annette Schavan und Joschka Fischer wurden beim Tischfußball aktiv, versenkten viele Bälle und gewannen somit zahlreiche Klassensätze an Büchern für Alphabetisierungskurse:
Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, kickte für die Alphabetisierung ...
... und informierte sich anschließend über die Alphabetisierungsaktivitäten im Rahmen des Projektes "F.A.N.", ...
... ebenso wie der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer ...
... und Fußballerin und Lokalmatadorin Steffi Jones.