Botschafter 2006

Frank Rost

Laudatio: Frank Rost

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

"Lesen soll so sehr Volkssport werden wie Fußball!" - so lautet das Motto dieser heutigen Festveranstaltung. In ein Fußballstadion passen rund 40.000 Fans. In zehn Stadien sind es also schon 400.000 Menschen, die wegen des Fußballs kommen, und bei 100 Stadien sind es vier Millionen Menschen, die den Volkssport Fußball mit Leidenschaft verfolgen.

 

Vier Millionen Fußballfans erfahren, dass es in Deutschland rund vier Millionen funktionale Analphabeten gibt. Eine vortreffliche Öffentlichkeitsarbeit wäre das, die dazu beitragen würde, das Thema bekannt zu machen und den Ratsuchenden den Weg zu den Hilfsangeboten zu erleichtern. Doch wer macht das Thema bekannt? Wer trägt das Thema auch in den Fußball hinein? Wer kann begeistern für eine Sache, die nicht  rund um das Leder, sondern um das Lesen und Schreiben spielt?

 

Überzeugen kann nur der, der selbst überzeugt ist von der besonderen Bedeutung, die  eine fundierte Grundbildung in unserer Gesellschaft hat. Und bekannt machen kann am besten, wer selber bekannt ist. Sie, Herr Rost, vereinen beide Aspekte und setzen Sie mit großem Engagement ein. Lesen und Schreiben war für Sie selbst nie eine Hürde. Sie hatten das Glück, in der Schule eine gute Förderung zu erfahren, nicht nur im Sportlichen, sondern parallel auch immer beim Lernen.

 

Schon in Ihrer ersten Buchlektüre, an die Sie sich erinnern können, geht es um einen Kämpfer. "Pawel" tritt für seine Überzeugungen ein, koste es, was es wolle.  Der Held in dem Abenteuerroman "Wie der Stahl gehärtet wurde" hat Ideale, die er nie aus dem Blick verliert. "Ziele" und "Ideale" sind auch für Sie wichtige Begriffe geworden, Herr Rost. In der direkten Kommunikation mit Ihren Fans über Ihre Website haben Sie bemerkt, dass es viele Menschen gibt, die Probleme mit der Schrift haben. Es erfüllt Sie mit Sorge, wenn Jugendliche nur noch Fußball im Kopf haben und mit dem "Mist" in der Schule nichts zu tun haben wollen. Für Sie war im Leben immer beides miteinander verwoben: der Sport und die Bildung. Bildung ist  für Sie unverzichtbar. Ohne Lesen und Schreiben würde auch ein Fußballer zum Spielball für diejenigen, die Verträge aufsetzen und Verhandlungen führen. Sie selbst sagten einmal dazu: "Wie soll man auf dem Platz selbstbewusst auftreten, wenn man außerhalb keine Entscheidungen ohne fremde Hilfe treffen kann?" Damit sprechen Sie auch die Abhängigkeit und das mangelnde Selbstwertgefühl an, unter dem funktionale Analphabeten fast immer leiden. Sie wollen Mut machen zum Lesen- und Schreibenlernen, auch in einem neuen Anlauf als Jugendlicher und Erwachsener. Sie wollen Mut dazu machen, sich ein Ziel zu setzen, an sich zu glauben und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Sie, Herr Rost, setzen Ihren gesellschaftlichen Stellenwert als Vorbild für unzählige Jugendliche und Erwachsene für die Sache der Alphabetisierung und Grundbildung in Deutschland ein. Ob in dem Grußwort zur Alphabetisierung für die Frankfurter Buchmesse oder durch die Unterstützung des F.A.N.-Projektes, ob im Vorwort für Unterrichtslektüren für Alphabetisierungskurse oder bei der "Lit-Cologne": Sie ergreifen das Wort für die Alphabetisierung und Grundbildung in Deutschland! In der direkten Begegnung mit Fans und auch Betroffenen - wie z. B. mit den fünf Alphabetisierungsbotschaftern des Jahres 2005 - kommunizieren Sie immer die besondere Bedeutung einer guten Grundbildung und ermuntern, das Lesen- und Schreibenlernen als eine zweite Chance zu ergreifen. Sie selber sagen dazu: "Wir wollen zeigen,  dass die über vier Millionen betroffenen Menschen Unterstützung und Aufmunterung brauchen – nicht Mitleid und Ausgrenzung." Ihr Wort  für die Alphabetisierung und Grundbildung werden Sie auch in diesem Jahr auf der Abschlussveranstaltung der Frankfurter Buchmesse einsetzen.

 

Der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. freut sich, dass Sie Ihre Prominenz auch zukünftig in zahlreichen Projekten und Aktivitäten zur Alphabetisierung und Grundbildung einsetzen wollen.  Wir danken Ihnen auch  für Ihr bisheriges Engagement, Herr Rost, und zeichnen Sie hier und heute mit Freude zum Botschafter für Alphabetisierung 2006 aus.

 

Herzlichen Glückwunsch!

 

Marion Döbert