Botschafter 2011

Marion Döbert

Laudatio

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung zeichnet im Rahmen der 10-jährigen UN-Dekade Persönlichkeiten als Botschafter für Alphabetisierung aus, die sich in besonderer Weise für die Belange von schriftsprachunkundigen oder schriftsprachunsicheren Menschen einsetzen. Diese Idee ist keine originäre Idee des Bundesverbandes; sie ist abgeschaut in den Niederlanden. Dort erfährt die Alphabetisierungsarbeit  gesellschaftlich eine hohe Akzeptanz, zumal Prinzessin Laurentien als ihre Fürsprecherin und selbst als UNESCO-Botschafterin für Alphabetisierung tätig ist.


Marion Döbert, die wir heute ehren wollen, hat damals die Botschafteridee für uns ins Spiel gebracht und stets zu den niederländischen und später zu vielen anderen europäischen  Nachbarn hinübergeblickt und mit ihnen zusammen gearbeitet. Seit den frühen 80er Jahren hat sie sich kontinuierlich mit der Alphabetisierungsarbeit in Deutschland beschäftigt und ihr wesentliche Impulse verliehen. Sie war Mitbegründerin der „Schreibwerkstatt für neue Leser und Schreiber“ und dann später der Bundesarbeitsgemeinschaft Alphabetisierung, aus denen der Bundesverband hervorging, den sie ebenfalls mitbegründete und viele Jahre lang als Vorstandsmitglied mit großartigen Ideen und einem nie enden wollenden Engagement begleitete.
Die Liste, die Auskunft gibt über die Vielfalt der Aktivitäten von Marion Döbert, ist immens: Vielerlei Fachvorträge, Beteiligungen an Podiumsdiskussionen, Pressemitteilungen, Tagungsplanungen und Tagungsleitungen, Projektplanungen und Projektleitungen, Aufsätze, Berichte, Workshops, internationale Symposien, Auftritte in Rundfunk und Fernsehen, Publikationen in Büchern und Fachzeitschriften, Übersetzungen, Ausstellungen, Unterrichtsmaterialien, Internet: sie alle sind kaum noch zählbar.
Meine erste Begegnung mit Marion Döbert war nicht mit ihr persönlich, sondern ich musste mich Ende der 80er auf einen Workshop zum Thema „Ursachen des Analphabetismus“ vorbereiten. Da fiel mir natürlich ihre Forschungsarbeit von 1985 in die Hände, die ich dankbar studierte und die heute immer noch nicht an Aktualität eingebüßt hat.
Nicht vergessen werden darf der Reader „Ihr Kreuz ist die Schrift“, den sie zusammen mit Peter Hubertus im Rahmen eines vom BMBF geförderten Buchprojektes herausgab und auf der EXPO 2000 präsentieren konnte. Obschon einige Zahlen darin (leider) nicht mehr stimmen, so wird das Buch dennoch häufig als erster Einstieg in die Alphabetisierungsarbeit genutzt.


Als der Bundesverband 2003 seine erste Fachtagung in Bernburg durchführte, entstanden die Bernburger Thesen, an deren Formulierungen wir in kleinem Kreise mit Marion Döbert etwas abseits vom Tagungsgeschehen arbeiteten; Thesen, die ebenfalls auch heute noch Gültigkeit haben.
Höhepunkt im selben Jahr war aber zweifelsohne die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, mit dem sie für ihr herausragendes Engagement in der Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit für die vielen Lernerinnen und Lerner im unserem Lande geehrt wurde.
Liebe Marion, auf Dich konnten wir uns immer verlassen. Wenn es darum ging, den Bundesverband in der Öffentlichkeit darzustellen und zu vertreten, so warst Du uns immer ein Garant für eine klare Sprache und eine deutliche Botschaft. Du hast Dich nie gescheut, auch kritische Worte zu finden und hast stets Deine Meinung gesagt, wenn Du Gelegenheit dazu hattest. Du konntest das Wort ergreifen, da Du Dich authentisch auskanntest in den Situationen der Lerner/-innen, den Problemen der Kursleitenden, den Fragen der Journalisten und Entscheidungsträgern. Du warst und bist die Grande Dame der Alphabetisierung.

 

 

Wenn Deine Auszeichnung zur Botschafterin heute im Rahmen einer Veranstaltung des Bündnisses für Alphabetisierung stattfindet, dann möchte ich nicht verschweigen, dass auch diese Bündnisidee ursprünglich von Dir stammt. Und vielleicht wird ja der Anfangsgedanke, dass sich nämlich die Akteure der Alphabetisierung und viele gesellschaftliche Kräfte zusammentun, gerade in diesen Monaten realisiert.
Liebe Marion, Du siehst, ich komme um all die offiziellen Attribute, die mit Deiner – fast möchte ich sagen – Lebensleistung verknüpft sind, nicht herum und ich wollte sie heute und an diesem Ort wieder in Erinnerung rufen. Aber es ist mir auch wichtig, Dir zu sagen, dass wir bei vielen Gelegenheiten, die wir nach unseren Sitzungen oder Arbeitskreisen hatten, ausgesprochen fröhlich und ausgelassen Witze machen konnten, dass Du locker und unbeschwert und humorvoll sein konntest und immer noch bist. Das hat mir stets trotz all unserer Ernsthaftigkeit der Alphabetisierungsarbeit gefallen.


Liebe Marion, häufig hast Du Lobreden vorgetragen und die Alef-Nadel überreicht. (Übrigens ist in unserem Archiv gerade eine frühere Rechnung aufgetaucht, aus der eine Bestellung von Dir samt Designvorschlag für den Goldschmied hervorgeht.) Heute darfst Du selbst eine Nadel in Empfang nehmen und Dir sicher sein, dass wir, die wir mit Dir gemeinsam für die Alphabetisierung gearbeitet haben, und die vielen Lerner/-innen, Unterrichtenden und Forschenden Dir unendlich dankbar sind für Deine Impulse, Deine Aktionen, deine Ratschläge, Dein enthusiastisches Engagement. Wir hoffen, nein wir sind uns eigentlich sicher, dass Du uns weiterhin tatkräftig unterstützen wirst und Dein Knowhow als Botschafterin für Alphabetisierung einbringen wirst. Herzlichen Glückwunsch!

 

 

Vorstandsmitglied Gerald Schöber zeichnet Marion Döbert für ihre langjährigen Verdienste als Botschafterin für Alphabetisierung aus.

 

 Dankesrede hier