Oliver Kaczmarek


Laudatio

 

Sehr geehrter Herr Kazcmarek!

Wie war das bei Ihnen? Wie sind Sie auf die Alphabetisierung gestoßen?

Haben Sie einen unserer Werbespots im Fernsehen gesehen, einen Bericht darüber gelesen? Hat man Ihnen die Aufgabe, sich damit zu befassen, hier im Bundestag auferlegt oder hat Ihnen jemand das Thema in Ihren „Roten Rucksack“ gepackt?

Alles wäre uns recht, denn um die Wahrnehmung des Themas geht es uns - nun schon seit 30 Jahren. Selbst, wenn Sie beruflich gezwungen wurden, sich der Alphabetisierung anzunehmen, wären wir froh, und sogar ein wenig stolz. Alphabetisierung und Grundbildung als Verpflichtung – in verantwortungsvoller Position! Ziel erreicht!

Wie auch immer. Oliver Kaczmarek hat sofort verstanden und sich selbst verpflichtet. Er will nicht im Wahlkampf große Sprüche klopfen, er will etwas bewegen, und er ist der Meinung, das gelingt ihm nur, wenn er genau weiß, was die Menschen beschäftigt.

Als passionierter Wanderer ist er in seinem Wahlkreis Unna zu Fuß unterwegs, immer mit seinem Roten Rucksack, auf der Suche nach Ideen, Wünschen, Fragen und Kritik der Menschen, die er hier in Berlin vertritt.

Wie man in seiner Bilanzbroschüre lesen kann, hat er in seinen ersten 4 Jahren im Bundestag stolze 65km erwandert, in 50 Stunden. Mit knapp 500 Teilnehmern hat er 38 Orte in seinem Wahlkreis aufgesucht, an denen Besonderes geleistet wird.

Zudem hat er in der Zeit:

6 Fraktions-Konferenzen organisiert
227 Petitionen bearbeitet,
81 Infodienste verschickt,
38 Fachgespräche, Podiumsdiskussionen und Ausstellungen im Wahlkreis
veranstaltet
82 Betriebe besucht
64 Schulklassen in Berlin und in Unna getroffen
und über 4500 Besucher in Berlin empfangen

Bei der oftmals gähnenden Leere im Plenarsaal würde ich ja zu gerne annehmen, dass die abwesenden Abgeordneten wenigstens halb so fleißig sind wie Sie, Herr Kaczmarek.

Sie mischen aber auch im Plenarsaal mit. In den ersten vier Jahren haben Sie 25 Reden gehalten und 51 Fragen gestellt und das ganz in unserem Sinne.

In Ihrer Rede zur Alphabetisierung und Grundbildung am 9. Juni 2011 forderten Sie einen Grundbildungspakt ein und die Aufnahme des Themenbereichs Funktionaler Analphabetismus in die Nationale Bildungsberichterstattung.

Im letzten Jahr machten Sie sich stark für eine Nationale Alphabetisierungsdekade. Sie forderten die Aufhebung des  Kooperationsverbots, zur Sicherung der nachhaltigen Perspektive der Akteure und Sie setzen sich ein für eine einfache, verständliche Sprache. (Laut Aussage meiner Lerner ist Ihre Homepage gut zu lesen).

Sie stellen große Anträge im Bundestag, aber auch bei Ihren kleinen Anfragen geben Sie sich nicht mit formalen Antworten zufrieden, Sie haken nach und bleiben dran, denn Sie sind immer gut vorbereitet.

Ihre parlamentarischen Initiativen recherchieren Sie sorgfältig und stimmen Sie eng mit Vertretern der Praxis ab. Sehr wichtig ist Ihnen dabei der Bezug zu Ihrem Wahlkreis, aber Sie tauschen sich auch mit Experten aus, die für sich und für die Gesellschaft etwas bewegen.

So schlagen Sie eine Brücke zwischen der großen Politik in Berlin und Ihrer Heimat, auf der Sie viele Themen in beide Richtungen transportieren – in Ihrem Roten Rucksack. Vielleicht erzählen Sie uns nachher, an welchem Standort Sie zuerst aktiv wurden für die Alphabetisierung und Grundbildung. An beiden Standorten haben Sie schon in kurzer Zeit für unser Thema Enormes geleistet.

Besonders stolz können Sie sein auf das Bündnis für eine Alphabetisierungs- und Grundbildungsoffensive im Kreis Unna, das Sie im März 2013 gemeinsam mit den Volkshochschulen gründeten. Inzwischen hat das Netzwerk knapp 100 Mitglieder und Unterstützer.

Der Rucksack ist rot, weil Sie sich schon sehr früh einer Gemeinschaft angeschlossen haben, durch die Sie sich als Arbeiterkind, Sohn eines Bergmannes und einer Hausfrau, gestärkt fühlten. Ihre politische Arbeit starteten Sie als Schülervertreter und traten mit 18 Jahren in die SPD ein. Bis heute sind sie im Vorstand mehrerer SPD- Gremien auf kommunaler und auf Landesebene. 2009 kamen Sie über ein Direktmandat in den Deutschen Bundestag und arbeiten nun als ordentliches Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgeschätzung und als stellvertretendes Mitglied Im Petitionsausschuss und im Ausschuss für Arbeit und Soziales.

Nach Ihrem Studium der Geschichte und Sozialwissenschaft auf Lehramt arbeiteten Sie im betrieblichen und außerbetrieblichen Sozialwesen des Steinkohlebergbaus. Bis heute sind Sie Mitglied des Wandervereins „Glückauf Sozialismus 1998“. Wandern ist Ihre Leidenschaft, im Mittelgebirge, aber auch in der schwindelerregenden Höhe der Alpen. Flau wird es Ihnen aber eher bei Ihrer zweiten Leidenschaft, als Zuschauer in der Arena auf Schalke. Ihr Verein, den Sie weiterhin lautstark unterstützen. Wer weiß, vielleicht haben Sie ja dort von der Alphabetisierung erfahren, als wir in der Halbzeitpause unsere Aktionen im Rahmen des F.A.N.-BMBF-Projektes durchführen konnten.

Ich bin wirklich gespannt, welche unserer vielen Sensibilisierungsmaßnahmen Sie motivierten, uns zu unterstützen. Diese müssen wir dann verstärkt umsetzen, damit wir noch mehr so engagierte Menschen wie Sie dazugewinnen.

Lieber Herr Kaczmarek, Sie ermutigen - weit über Ihre beruflichen Verpflichtungen hinaus – Menschen, sich in lokalen und überregionalen Bündnissen für die Sache stark zu machen. Das Bündnis in Unna ist ein herausragendes Beispiel für den Erfolg.

Lieber Herr Kaczmarek, der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. dankt Ihnen für Ihr außergewöhnliches Engagement für die Alphabetisierung und Grundbildung in Deutschland, und ernennt Sie zum Botschafter für Alphabetisierung und Grundbildung 2014.

 

Elfriede Haller, Vorstandsmitglied im Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V.