Prof. Dr. Anke Grotlüschen


Laudatio

 

Sehr geehrte Frau Professorin Grotlüschen, liebe Anke!

Man schrieb das Jahr 2002. Du, liebe Anke, warst wissenschaftliche Mitarbeiterin von Prof. Dr. Peter Faulstich an der Universität Hamburg, als dich das Thema „Alphabetisierung“ in Form einer Anfrage für ein Leonardo-da-Vinci Projekt aus Thessaloniki erreichte. Ich leitete zu der Zeit das Zentrum Grundbildung und Drittmittelprojekte an der Hamburger Volkshochschule. Auf einem Alumni Treffen in Hamburg fragtest Du Dr. Andrea Linde für  eine gemeinsame Mitgestaltung des Antrages an. Und aufgrund ihrer Initiative kam ich mit ins Spiel. Das Projekt wurde 2003 bewilligt und lief erfolgreich bis 2005.

2002 ahnten wir beide natürlich noch nicht, dass ich heute, am Weltalphabetisierungstag 2015, als Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V. die Freude und Ehre haben würde, dich in der Tradition und im Namen des Bundesverbandes zur "Botschafterin für Alphabetisierung" zu ernennen und auszuzeichnen! Und – lass mich das Folgende bitte genau so formulieren: Der Bundesverband / BVAG ist sehr froh und dir sehr dankbar, dass Du bereit bist, diese Auszeichnung anzunehmen! Gilt die Auszeichnung doch einer Wissenschaftlerin, die mit der Erarbeitung, Durchführung, Auswertung, Veröffentlichung und Verbreitung der leo. – Level One - Studie sicherstellte, dass die Größenordnung von 7,5 Mio. funktionalen Analphabeten empirisch belegt werden konnte und bekannt wurde.

Damit hast Du die Dringlichkeit der langjährigen Apelle des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V. nach Förderung der Zielgruppe funktionaler Analphabeten durch Alphabetisierungs- und Grundbildungsangebote unterstrichen, entscheidend und nachhaltig unterstützt. Darüber hinaus trugen die veröffentlichten Ergebnisse der leo.-Level-One Studie wesentlich zur Initiierung der Nationalen Strategie zur Alphabetisierung und Grundbildung durch das Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) im Dezember 2011 bei. Diesem Bündnis haben sich Vertreter verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen angeschlossen – natürlich auch der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. – mit dem Ziel, die Bedeutung von Alphabetisierung und Grundbildung übergreifend ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und beizutragen, die Anzahl betroffener Frauen und Männer langfristig deutlich zu reduzieren.
Da durch die leo.-Level-One Studie außerdem belegt wurde, dass 57% der Zielgruppe Funktionale Analphabetinnen und Analphabeten erwerbstätig sind, gabst Du einen entscheidenden Hinweis darauf, wo ein großer Anteil Betroffener zu erreichen ist und bei welchen potentiellen Multiplikatoren die Sensibilisierung für die Problematik der Zielgruppe ansetzen sollte.

Damit stand fest, dass das empirisch fundierte Grundwissen, die anerkannten Definitionen zum Analphabetismus und erprobte praktikable Weiterbildungsansätze der ersten Förderperiode  (2007 – 2012) in den neuen Förderschwerpunkt des BMBF (2012 – 2015) "Arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener" Eingang finden mussten. Auch diese Förderperiode hat deutlich gemacht, was es alles noch zu tun gibt, um durch Alphabetisierung und Grundbildung zu verschiedenen Lebenszeiten und an verschiedenen Orten immer mehr Menschen Chancen auf gleichberechtigtere Teilhabe am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben zu eröffnen.

Die von dir geleitete "Umfeldstudie" wird erneut wichtige Impulse geben, dass auf dem Feld der Mitwisserschaft Wege gerodet, geebnet, überhaupt gefunden werden, damit das Thema Grundbildung in seiner Bedeutung erfasst und die Ermutigung zur Teilnahme am lebensbegleitenden Lernen möglich wird. Nicht zuletzt wird auch diese Studie zur Nachhaltigkeit des Themas Alphabetisierung und Grundbildung beitragen.
Eine wertvollere Unterstützung des BVAG durch deine Arbeit und die Arbeit deines Teams ist kaum vorstellbar!

Wesentlich für die Zielerreichung des Bundesverbandes – nämlich Analphabetismus zu verhindern und das Recht auf Lesen und Schreiben für alle Menschen immer wieder einzufordern – ist aber auch, dass Du dich der Sache Analphabetismus gern verpflichtest. Die Freude an dieser Arbeit wird durch deine Beiträge an verschiedensten Orten immer wieder deutlich. Auch dadurch gewinnen sie an Überzeugungskraft! Dazu kommen deine nationale und internationale Vernetzung und deine unabhängige Eingebundenheit in verschiedenste Institutionen. Diese ermöglichen es  dir, Forschungsbefunde zu verbreiten, theoretische und internationale Entwicklungen aufzuzeigen, auf Wunsch neutrale Rückmeldung oder Beratung anzubieten, Feedback zu geben. Auch das eine Unterstützung unserer Arbeit.

Mit der Ernennung zur Botschafterin für Alphabetisierung 2015 würdigt der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. dein Engagement für die Belange funktionaler Analphabeten in Deutschland, und wir bitten Sie, liebe Frau Professorin Grotlüschen, dich, liebe Anke, sich weiterhin für die Prävention von Analphabetismus und die Durchsetzung des Rechts auf Lesen und Schreiben für alle Menschen einzusetzen.

Herzlichen Glückwunsch!
Da Du während dieser Laudatio gerade im Flugzeug nach Budapest sitzt, wo du an der International Conference of Educational Research (ICER) aktiv teilnehmen wirst, hast Du mir erlaubt, die Auszeichnung deiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin Wibke Riekmann zu übergeben.

Ellen Abraham, Vorstandsvorsitzende Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.

 

 

Dankesworte von Frau Professorin Dr. Anke Grotlüschen