F.A.N.-Schirmherr

Frank Rost | Torhüter (Hamburger SV)

 Foto: PD

Bei uns im Profifußball muss man, wie sonst auch, den gesetzten Ansprüchen der modernen Leistungsgesellschaft gerecht werden, sonst gerät man schnell an deren Rand. Oder auf den Fußball übertragen: Man verliert den Kontakt zur Tabellenspitze.

Es ist wichtig, den Anschluss zu halten, nicht nur im Fußball.

Das Buch, das ich zusammen mit dem F.A.N.-Projekt präsentiere, handelt von einem jungen Mann, der eben diesen Anschluss verloren hat und nun im Gefängnis mit den Folgen zu kämpfen hat.

Als das F.A.N.-Projekt mich fragte, ob ich das Vorwort für das Buch "Ein Wort, zehn Cent" von Michael Freund schreiben würde, empfand ich es als Ehre und sagte sofort zu.

Gerne wird es in der Öffentlichkeit so dargestellt, dass wir Spieler und auch unsere treuen Fans nicht den höchsten Bildungsstand hätten. Dem ist aber gar nicht so. Eher würde ich uns als kleine Durchschnittsgesellschaft bezeichnen, in der alle Schichten und Bildungsgrade vertreten sind. Sozusagen vom Professor bis zum Malocher.
Deshalb finde ich es auch klasse, dass das F.A.N.-Projekt mit seiner "Kampagne" zu uns in die Stadien kommt, um dort dem Problem, nicht richtig Lesen und Schreiben zu können, das Tabu und den Schrecken zu nehmen.

Wahrscheinlich ist das Zusammengehörigkeitsgefühl im Fußball (und im Sport allgemein) intakter als irgendwo sonst in der Gesellschaft. Gerade weil man Woche für Woche in der Gruppe erfährt, was Solidarität und Freundschaft bedeuten und Siege und Niederlagen im Team erlebt, sind die Fußballfans wohl die richtige Zielgruppe für dieses Projekt.

Es ist keine Schande, nicht richtig Lesen und Schreiben zu können aber es ist eine Schande, dass in unserem reichen und entwickelten Land über vier Millionen Menschen mit diesem Problem zu kämpfen haben und niemand sich traut, laut darüber zu reden - am wenigsten die Betroffenen selbst.

In meinem Sport habe ich gelernt, dass man den Mut haben muss, Mängel anzusprechen, und den Willen haben muss, die Dinge zu ändern, auch wenn dies manchmal hart ist. Es erfordert viel Mühe und den täglichen Einsatz, um das Ziel zu erreichen - aber es lohnt sich.

Ich hoffe, dass wir Fußballer und Fußballerinnen, die das F.A.N.-Projekt unterstützen, viele Menschen erreichen.
Wir wollen die Betroffenen, die sich heute noch nicht trauen, um Hilfe zu fragen, ermutigen, aktiv zu werden und aus der Isolation heraus zu treten.
Wir wollen sie auf ihrem beschwerlichen Weg, zurück in die lesende und schreibende Gesellschaft, durch unser Engagement unterstützen, damit sie die gleichen Chancen haben wie alle anderen. Den ersten Schritt allerdings muss jeder für sich allein gehen. Wir können nur versuchen, ihn einfacher zu gestalten.

Wir werden zusammen mit dem F.A.N.-Projekt vielen Menschen vermitteln, dass unzureichende Lese- und Schreibkenntnisse kein Zeichen von Dummheit sind, sondern eher eine Geschichte der verpassten Chancen dahinter steht. Wir wollen zeigen, dass Menschen, die davon betroffen sind, Unterstützung und Aufmunterung brauchen und nicht Mitleid und Ausgrenzung.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und hoffe bei der Umsetzung der Ziele des F.A.N.-Projektes auf Ihre Unterstützung und die der Medien.

Herzliche Grüße

Ihr und Euer

 

 

Frank Rost
Dorsten, am 23. Oktober 2005

 

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